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Antwortzeit bei Immobilienanfragen: warum die ersten Minuten zählen

Wer in fünf statt dreißig Minuten antwortet, erreicht den Interessenten 21-mal so oft. Was hinter der Zahl steckt und wie du sie im Alltag nutzt.

Tobias Troendle · Immobilienmakler in Stuttgart, Gründer von Portalist
3 Min. Lesezeit

Es gibt im Maklergeschäft wenige Zahlen, die so eindeutig sind wie diese: Wer innerhalb von fünf Minuten auf eine Anfrage reagiert, erreicht den Interessenten 21-mal so häufig wie jemand, der dreißig Minuten braucht. Die Untersuchung stammt vom MIT zusammen mit InsideSales und wurde an hunderttausenden Kontaktversuchen gemessen. Wie sich das in einem echten Maklerpostfach niederschlägt, zeigt unser Postfach-Report: Dort trafen 31,8 Prozent aller Anfragen außerhalb der Bürozeiten ein.

Warum der Effekt so groß ist

Der Grund ist banal: Ein Interessent, der abends auf dem Sofa Wohnungen durchsieht, schreibt nicht eine Anfrage. Er schreibt fünf. Wer als Erster antwortet, führt das Gespräch – die anderen vier bekommen später eine höfliche Absage oder gar keine Antwort mehr.

Dazu kommt ein psychologischer Effekt: In den ersten Minuten ist das Objekt im Kopf des Interessenten noch präsent. Er weiß noch, welche Wohnung er angeschrieben hat und warum sie ihm gefallen hat. Nach zwei Tagen muss er erst wieder nachsehen, worum es überhaupt ging.

Was das für den Makleralltag heißt

Die naheliegende Schlussfolgerung wäre: immer erreichbar sein. Das ist weder realistisch noch gesund. Die praktikable Schlussfolgerung lautet anders.

Die erste Antwort muss nicht die vollständige Antwort sein. Zwei Sätze, die bestätigen, dass die Anfrage angekommen ist, dass das Objekt noch verfügbar ist und dass du dich mit zwei Terminvorschlägen meldest, reichen vollkommen. Diese zwei Sätze kannst du in zwanzig Sekunden schreiben – auch am Bahnsteig.

Die Abendstunden sind entscheidend. Der größte Teil der Portalanfragen läuft zwischen 20 und 23 Uhr ein. Wer erst am nächsten Vormittag antwortet, hat zwölf Stunden verloren. Ein kurzer Blick um 21 Uhr, mit vorbereiteten Textbausteinen, verschiebt die Antwortzeit von zwölf Stunden auf Minuten.

Das Wochenende ist kein Puffer. Freitagabend eingehende Anfragen, die erst am Montag beantwortet werden, sind praktisch verloren. Wenn du am Wochenende nicht arbeiten willst – gute Entscheidung – dann braucht es zumindest eine Eingangsbestätigung mit einem realistischen Versprechen: „Ich melde mich Montagvormittag mit Terminvorschlägen."

Die Zahl, die dir niemand sagt

Frag zehn Makler nach ihrer durchschnittlichen Antwortzeit. Neun werden schätzen, und die Schätzung wird deutlich zu optimistisch sein. Das liegt nicht an Unehrlichkeit, sondern daran, dass wir uns an die Anfragen erinnern, die wir schnell beantwortet haben – nicht an die, die untergegangen sind.

Wenn du wissen willst, wo du stehst, nimm dir dein Postfach der letzten vier Wochen vor und miss bei zwanzig zufälligen Anfragen die Zeit zwischen Eingang und deiner ersten Antwort. Das Ergebnis überrascht die meisten. Warum das so ist, erklärt Warum Anfragen im Postfach untergehen.

Was schnelle Antworten praktisch möglich macht

Drei Hilfsmittel, in der Reihenfolge ihrer Wirkung:

Vorbereitete Texte. Nicht als starre Vorlage, sondern als Gerüst, das du in dreißig Sekunden anpasst. Ein guter Satz Vorlagen deckt achtzig Prozent aller Erstantworten ab. Beispiele in Textvorlagen für Maklerantworten.

Zwei feste Zeitfenster am Tag. Zum Beispiel 8:30 Uhr und 20:30 Uhr, jeweils zehn Minuten. Das ist deutlich wirksamer als der Versuch, ständig nebenbei zu reagieren.

Ein System, das dich erinnert. Denn das eigentliche Problem ist nicht der Vorsatz, sondern der Alltag: Zwischen Besichtigung, Notartermin und Eigentümergespräch fällt die Anfrage von gestern Abend hinten runter.

Ein realistischer Zielwert

Fünf Minuten sind ein Laborwert. Im Maklerbüro ist ein guter, erreichbarer Anspruch: jede Anfrage innerhalb von zwei Stunden während der Bürozeit, jede Abendanfrage bis zum nächsten Vormittag. Wer das konsequent schafft, ist schneller als der weit überwiegende Teil des Wettbewerbs.

Und wichtiger als jeder Zielwert: keine Anfrage, die gar keine Antwort bekommt. Das ist die eine Kategorie, die dich wirklich Geld kostet.

AntwortzeitAnfragenKennzahlen

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