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Sprachnotizen nach der Besichtigung: die zwei Minuten im Auto

Nach der Besichtigung sitzt du im Auto und weißt alles. Zwei Stunden später weißt du noch die Hälfte. Am nächsten Tag ein Drittel.

Tobias Troendle · Immobilienmakler in Stuttgart, Gründer von Portalist
2 Min. Lesezeit

Der wertvollste Moment im Maklertag dauert zwei Minuten und findet auf dem Parkplatz statt: direkt nach der Besichtigung, bevor du losfährst.

In diesem Moment weißt du alles. Wer da war, wie sie reagiert haben, welche Frage dreimal kam, welches Paar sich angesehen hat, als vom Balkon die Rede war, und dass der Herr mit dem Notizblock derjenige ist, der kaufen wird.

Zwei Stunden später ist die Hälfte weg. Am nächsten Morgen bleibt: „War ganz gut besucht."

Was in die Notiz gehört

Vier Punkte, in dieser Reihenfolge:

Wer war da. Namen, gerne mit Merkmal („Ehepaar Brandt, er Architekt, sie hat viel gefragt").

Wie war die Reaktion. Nicht dein Gefühl, sondern was tatsächlich passiert ist: Wer hat lange in welchem Raum gestanden, wer hat nach Unterlagen gefragt, wer wollte einen zweiten Termin.

Welche Einwände kamen. Das ist die wertvollste Information überhaupt – für dieses Objekt und für die Argumentation beim Eigentümer. Wenn dreimal nach der Heizung gefragt wurde, gehört das ins Exposé oder ins Gespräch mit dem Verkäufer.

Der nächste Schritt, mit Datum. „Familie Brandt bis Mittwoch Grundriss schicken", „Eigentümer Ludwig anrufen wegen Preisfrage".

Wie du es sagst

Eine gesprochene Notiz darf klingen wie gesprochen. Sie muss nicht formuliert sein:

„Besichtigung Seestraße 14, fünf Parteien. Familie Brandt am interessiertesten, wollen zweiten Termin mit den Eltern. Ehepaar Kessler eher zurückhaltend, Preis war Thema. Zweimal Frage nach der Heizung, Baujahr 1998 – da sollte ich beim Eigentümer die Wartungsunterlagen anfragen. Nächster Schritt: Brandt zweiter Termin bis Freitag, Ludwig anrufen wegen Heizungsunterlagen."

Vierzig Sekunden. Darin stecken drei Aufgaben, eine Objekterkenntnis und die Grundlage für den nächsten Eigentümer-Wochenbericht.

Das eigentliche Problem: was danach passiert

Diktieren können alle. Woran es scheitert, ist die Verwertung.

Eine Sprachnachricht in einem Ordner mit vierzig anderen Sprachnachrichten ist wertlos. Niemand hört sich das noch einmal an. Damit die Notiz etwas wert ist, muss sie:

  1. beim richtigen Objekt und Kontakt landen, nicht in einer Sammelablage,
  2. als Text lesbar sein, weil man Text überfliegen kann und Audio nicht,
  3. die Aufgaben herauslösen, damit sie wieder auftauchen.

Wer das von Hand macht, sitzt abends zwanzig Minuten daran – und lässt es nach zwei Wochen bleiben. Das ist der ehrliche Grund, warum Sprachnotizen im Maklerbüro selten funktionieren, obwohl alle wissen, dass sie sinnvoll wären.

Was sich sofort ändert, wenn es funktioniert

Nachfassen wird konkret. Statt „Ich wollte mal nachhören" schreibst du „Sie hatten nach der Heizung gefragt – ich habe jetzt die Wartungsunterlagen". Der Unterschied in der Rücklaufquote ist erheblich.

Der Eigentümerbericht schreibt sich fast von selbst. Wer nach jeder Besichtigung zwei Minuten diktiert, hat am Freitag den Wochenbericht bereits beisammen.

Du erkennst Muster. Wenn bei vier Besichtigungen dreimal derselbe Einwand kommt, ist das kein Zufall, sondern ein Hinweis auf Exposé oder Preis.

Ein praktischer Hinweis

Mach es zur Gewohnheit, bevor du den Motor startest. Nicht während der Fahrt und nicht „später". Der Anlasser ist ein guter Auslöser, weil er jedes Mal kommt – und Gewohnheiten brauchen einen festen Auslöser, keinen guten Vorsatz.

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