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Büroorganisation für Makler: ein System, das den Alltag trägt

Die meisten Organisationssysteme scheitern nicht am Konzept, sondern an dem Tag, an dem alles gleichzeitig passiert. Ein System, das solche Tage übersteht.

Tobias Troendle · Immobilienmakler in Stuttgart, Gründer von Portalist
4 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet: Ein tragfähiges System im Maklerbüro braucht vier Dinge – einen Ort je Informationsart, ein Datum für jede Zusage, Notizen am Kontakt statt im Postfach und einen festen Wochenrückblick von fünfzehn Minuten. Wer nur die Regel einführt, dass jede Zusage sofort ein Datum bekommt, holt bereits den größten Teil des verlorenen Geschäfts zurück.

Jeder Makler hat schon einmal ein Organisationssystem angefangen. Eine Excel-Liste, ein Notizbuch, eine App, vielleicht sogar eine richtige Software. Und fast jeder kennt den Moment, an dem es eingeschlafen ist: nicht bei der Einrichtung, sondern drei Wochen später, an einem Dienstag mit drei Besichtigungen, einem geplatzten Notartermin und einem Eigentümer, der wissen will, warum sich nichts tut.

Ein System, das solche Tage nicht übersteht, ist kein System. Es ist ein Vorsatz.

Die vier Dinge, die im Maklerbüro zusammenlaufen

Egal wie du es organisierst – es sind immer dieselben vier Sorten von Information:

  1. Eingehendes: Portalanfragen, Mails, Anrufe, WhatsApp-Nachrichten
  2. Termine: Besichtigungen, Notartermine, Eigentümergespräche
  3. Offene Verpflichtungen: „Ich schicke Ihnen den Grundriss", „Ich melde mich nächste Woche"
  4. Wissen: Wer ist dieser Mensch, was war beim letzten Kontakt, was ist ihm wichtig

Die meisten Büros haben für 1 und 2 eine Lösung – Postfach und Kalender. Bei 3 und 4 wird es dünn. Und genau dort geht das Geschäft verloren.

Der erste Grundsatz: ein Ort pro Sorte, nicht mehr

Der häufigste Organisationsfehler ist Vervielfachung. Anfragen liegen im Postfach, aber auch im Portal-Postfach. Aufgaben stehen in der App, aber auch auf dem Notizzettel. Notizen sind teils im CRM, teils im Kopf.

Zwei Orte für dieselbe Sache sind schlimmer als ein unordentlicher Ort, weil du an beiden nachsehen musst und keinem trauen kannst. Entscheide dich – und zwar für den Ort, an dem du ohnehin bist. Für die meisten Makler ist das das Postfach, nicht eine zusätzliche Software. Warum, steht in Das E-Mail-Postfach als Zentrale.

Der zweite Grundsatz: Jede Zusage bekommt ein Datum

Das ist die wichtigste einzelne Regel in diesem Artikel.

In dem Moment, in dem du „nächste Woche" sagst, existiert eine Verpflichtung. Sie existiert beim Kunden ziemlich sicher – der hat sie sich gemerkt. Bei dir existiert sie nur, wenn du sie aufschreibst.

Praktisch: Kein Telefonat beenden, ohne die zugesagte Handlung mit Datum zu notieren. Keine Mail schreiben, die etwas verspricht, ohne die Wiedervorlage anzulegen. Wie das ohne großen Aufwand geht, steht in Aufgaben und Wiedervorlagen.

Der dritte Grundsatz: Notizen gehören zum Menschen

Ein Mailverlauf ist keine Notiz. Wenn du wissen willst, was mit Familie Brandt los ist, willst du nicht dreizehn Mails durchlesen – du willst drei Zeilen: sucht wegen Nachwuchs, Finanzierung steht seit Mai, hat für Donnerstag zugesagt.

Diese drei Zeilen entstehen nur, wenn du sie im Moment des Gesprächs erzeugst. Zwanzig Sekunden nach dem Auflegen, nicht abends. Abends erinnerst du dich nicht mehr an das Wichtige. Mehr dazu in Telefonnotizen und Sprachnotizen nach der Besichtigung.

Der vierte Grundsatz: ein fester Rückblick pro Woche

Alle Systeme driften. Was sie am Leben hält, ist ein wiederkehrender Termin, an dem du nachsiehst, was liegen geblieben ist.

Fünfzehn Minuten, jede Woche zur gleichen Zeit, drei Fragen:

  • Wer wartet noch auf eine Antwort von mir?
  • Welche Zusage habe ich gemacht und nicht eingelöst?
  • Welche Objekte haben diese Woche keine Bewegung gehabt?

Wer nur diesen einen Termin einführt und sonst nichts ändert, holt bereits einen erheblichen Teil des verlorenen Geschäfts zurück.

Der härteste Test für dieses System ist übrigens nicht der volle Dienstag, sondern der Urlaub: Zwei Wochen Abwesenheit zeigen schonungslos, was nur in deinem Kopf existiert. Wie du dich darauf vorbereitest, steht in Urlaub als Makler.

Wie ein realistischer Tag damit aussieht

Ein Beispiel, das sich in der Praxis bewährt hat:

8:30 Uhr, zwanzig Minuten: Was ist über Nacht reingekommen, was muss heute raus. Erstantworten auf Portalanfragen mit zwei Terminvorschlägen. Tagsüber: Termine. Nach jedem Anruf und jeder Besichtigung zwanzig Sekunden Notiz. Gegen 17 Uhr, fünfzehn Minuten: Zugesagtes einlösen, Terminbestätigungen, offene Rückfragen. Abends, fünf Minuten: kurzer Blick auf die Abendanfragen, Eingangsbestätigung.

Mehr dazu in Der Maklertag.

Wann Software sinnvoll wird

Alles bis hierher funktioniert ohne besondere Werkzeuge. Wer diszipliniert genug ist, braucht nichts weiter als Postfach, Kalender und eine Aufgabenliste.

Das Problem ist: Diese Disziplin hält im Maklerberuf kaum jemand über Monate durch, weil der Beruf aus Unterbrechungen besteht. Du bist unterwegs, im Auto, zwischen zwei Terminen – und genau da entstehen die Zusagen, die später vergessen werden.

Der ehrliche Punkt, an dem Software sinnvoll wird, ist deshalb nicht „mehr Funktionen", sondern: wenn sie die Notiz und die Wiedervorlage für dich erzeugt, ohne dass du dich hinsetzen musst. Woran du gute von schlechter Maklersoftware unterscheidest, steht in Software fürs Maklerbüro.

Der Fehler, den fast alle machen

Zu groß anfangen. Wer sein ganzes Büro an einem Wochenende neu organisiert, hat in vier Wochen wieder das alte Chaos plus ein schlechtes Gewissen.

Nimm eine einzige Gewohnheit. Am besten die mit dem größten Hebel: jede Zusage bekommt sofort ein Datum. Wenn die nach vier Wochen sitzt, nimm die nächste.

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