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KI im Maklerbüro: was heute tatsächlich funktioniert

Zwischen Marketingversprechen und Alltag liegt eine Lücke. Was im Maklerbüro heute funktioniert – und was nicht.

Tobias Troendle · Immobilienmakler in Stuttgart, Gründer von Portalist
3 Min. Lesezeit

Kaum ein Thema wird im Immobilienbereich derzeit lauter beworben und leiser genutzt. Es lohnt, nüchtern zu trennen: Was nimmt tatsächlich Arbeit ab, und was ist eine Demo, die im Alltag nicht trägt?

Was heute zuverlässig funktioniert

Texte formulieren und umformulieren. Exposé-Texte, Antwortentwürfe, Absagen, Nachfass-Nachrichten. Das ist die stärkste und ausgereifteste Anwendung. Der Zeitgewinn ist real, weil die leere Seite wegfällt – der Grund, warum viele Antworten liegen bleiben. Siehe Textvorlagen.

Gesprochenes in Text verwandeln. Sprachnotizen nach Besichtigungen, Telefonnotizen im Auto. Die Erkennungsqualität ist inzwischen so gut, dass Diktieren schneller ist als Tippen – und im Auto die einzige Möglichkeit. Siehe Sprachnotizen nach der Besichtigung.

Zusammenfassen. Lange Mailverläufe, Protokolle von Eigentümerversammlungen, Teilungserklärungen. Wer vor einer Besichtigung wissen will, was in dreißig Seiten Protokoll steht, spart hier echte Zeit.

Sortieren und zuordnen. Eingehende Nachrichten dem richtigen Objekt und Kontakt zuordnen, erkennen, ob es sich um eine Anfrage, eine Rechnung oder einen Newsletter handelt. Unspektakulär, aber im Alltag der größte Hebel.

Was überschätzt wird

Automatische Bewertungen. Für eine erste Einordnung brauchbar, als Grundlage für ein Eigentümergespräch nicht. Die Faktoren, die den Preis bestimmen – Zustand, Schnitt, Lärm, Nachbarschaft – stecken nicht in den Daten. Siehe Der Preis ist zu hoch.

Vollautomatische Kommunikation. Technisch möglich, im Maklergeschäft riskant. Ein Interessent, der merkt, dass eine Maschine geantwortet hat, ist verloren – und im Fehlerfall haftest du für Aussagen, die du nie getroffen hast.

„Die KI übernimmt Ihre Akquise." Bislang nicht eingelöst. Akquise beruht auf Beziehung.

Die Regeln, die ich für richtig halte

1. Nie automatisch versenden. Alles, was nach außen geht, wird von einem Menschen freigegeben. Diese Regel ist nicht verhandelbar – sie schützt deine Kunden und dich.

2. Fakten müssen eine Quelle haben. Wenn ein Entwurf eine Zahl enthält – Wohnfläche, Hausgeld, Baujahr –, muss nachvollziehbar sein, woher sie stammt. Systeme, die plausibel klingende Zahlen erfinden, sind im Maklergeschäft gefährlich: Falschangaben können Schadensersatzansprüche auslösen.

3. Keine Kundendaten in beliebige Werkzeuge kippen. Der Unterschied zwischen einem allgemeinen Chatdienst und einer Fachanwendung mit Auftragsverarbeitungsvertrag ist rechtlich erheblich. Siehe DSGVO im Maklerbüro.

4. Kein Training mit deinen Inhalten. Frag beim Anbieter ausdrücklich nach einer vertraglichen Zusicherung, dass deine Inhalte nicht zum Training von Modellen verwendet werden. Siehe Datensicherheit.

Der ehrliche Nutzen

Der größte Effekt entsteht nicht dort, wo Marketing es verspricht – bei der Neukundengewinnung –, sondern bei der Verwertung dessen, was ohnehin da ist:

  • Anfragen, die beantwortet werden, weil der Entwurf schon dasteht
  • Notizen, die entstehen, weil Sprechen schneller ist als Tippen
  • Zusagen, die nicht vergessen werden, weil sie automatisch als Aufgabe entstanden sind
  • Eigentümerberichte, die geschrieben werden, weil sie sich aus der Woche zusammensetzen

Das klingt weniger spektakulär als „KI verkauft Ihre Immobilie". Es ist aber der Teil, der im Alltag tatsächlich Geld bringt – weil dort das meiste verloren geht.

Wie du anfängst

Nicht mit einem großen Projekt. Nimm eine einzige Aufgabe, die dich regelmäßig aufhält – bei den meisten ist es die Erstantwort auf Portalanfragen – und probiere vier Wochen, ob es besser wird.

Wenn ja, nimm die nächste. Wenn nein, hast du wenig verloren.

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