🤝 Akquise & Eigentümer

Nach dem Verkauf: Kontakt halten, der sich rechnet

Der Notartermin ist das Ende des Auftrags, nicht das Ende der Beziehung. Was danach passiert, entscheidet über deine Aufträge in fünf Jahren.

Tobias Troendle · Immobilienmakler in Stuttgart, Gründer von Portalist
2 Min. Lesezeit

Ein Maklerbüro, das zehn Jahre existiert, hat zwischen achtzig und dreihundert Menschen begleitet: Verkäufer, Käufer, gescheiterte Interessenten. Das ist der wertvollste Bestand, den es besitzt – und in den meisten Büros existiert er nur als Sammlung alter Mails.

Warum sich Kontaktpflege rechnet

Drei Zahlen, die das erklären:

Die durchschnittliche Haltedauer einer selbstgenutzten Immobilie liegt bei etwa zehn bis fünfzehn Jahren. Jeder Käufer, den du heute begleitest, ist ein potenzieller Verkäufer in dieser Zeitspanne.

Empfehlungen entstehen fast nie im ersten Jahr nach dem Verkauf, sondern über die Jahre – wenn dein Name noch präsent ist.

Die Kosten sind praktisch null. Zwei Kontakte pro Jahr an hundertfünfzig Menschen sind dreihundert Kontakte, verteilt über zwölf Monate.

Anlässe, die keine Werbung sind

Der Fehler bei Kontaktpflege ist der Newsletter mit Immobilienangeboten. Den liest niemand und er beschädigt die Beziehung, weil er nach Vertrieb riecht.

Was funktioniert:

Der Jahrestag des Einzugs. Eine kurze, persönliche Nachricht: „Vor zwei Jahren haben Sie die Schlüssel für die Ludwigstraße bekommen – ich hoffe, Sie sind gut angekommen." Kostet dreißig Sekunden und wird erstaunlich oft beantwortet.

Relevante Marktinformationen zum eigenen Stadtteil. Nicht allgemein, sondern konkret: „In Ihrer Straße wurde diesen Monat für 5.100 Euro pro Quadratmeter verkauft – vor zwei Jahren waren es 4.600." Das interessiert jeden Eigentümer.

Gesetzliche Änderungen mit echtem Bezug. Grundsteuerreform, Heizungsgesetz, Förderprogramme. Kurz, verständlich, ohne Verkaufsabsicht.

Persönliche Anlässe, wenn du sie kennst. Ein Umbau, über den gesprochen wurde. Ein Kind, das eingeschult wird.

Der Rhythmus

Zwei bis drei Kontakte pro Jahr sind richtig. Häufiger wirkt bedrängend, seltener reicht nicht, um präsent zu bleiben.

Ein praktikables Muster:

  • Januar: kurzer Jahresrückblick zum Immobilienmarkt in der Region
  • Zum Einzugsjahrestag: persönliche Nachricht
  • Bei einem konkreten Anlass: wenn im Umfeld etwas Relevantes passiert

Warum es trotzdem nicht passiert

Nicht wegen Zeitmangel. Dreihundert Nachrichten im Jahr sind machbar.

Es passiert nicht, weil die Information fehlt. Wer war das noch mal, was war das für ein Objekt, wann war der Notartermin, was war das Thema damals? Wenn du diese Antworten aus zwölf alten Mails zusammensuchen musst, unterbleibt die Nachricht.

Deshalb ist die eigentliche Voraussetzung für Kontaktpflege nicht Disziplin, sondern ein Ort, an dem zu jedem Menschen steht, was war. Das kann eine simple Tabelle sein: Name, Objekt, Datum, zwei Zeilen Kontext, Datum des letzten Kontakts.

Wer diese Tabelle einmal anlegt – rückwirkend für die letzten fünf Jahre, das dauert einen Nachmittag – hat den wertvollsten Vermögensgegenstand seines Büros gesichert.

Der Übergang zum Auftrag

Wenn nach Jahren der Anruf kommt, läuft er anders als bei einem kalten Lead. Du bist nicht einer von fünf, du bist der Makler, den man kennt. Die Preisdiskussion ist kürzer, die Provisionsfrage meist gar keine, und der Alleinauftrag ist selbstverständlich.

Das ist der Unterschied zwischen Akquise und Ernte. Wer den Bestand pflegt, akquiriert mit den Jahren immer weniger – und verkauft immer mehr.

Wie du aus diesen Kontakten zusätzlich Empfehlungen erzeugst, steht in Empfehlungen systematisch bekommen.

KundenbindungAkquiseEmpfehlungenBestand

Passend dazu