🏡 Vermarktung & Exposé

Objekt-Briefing: die zwei Minuten vor jeder Besichtigung

Bei acht Objekten in der Vermarktung weißt du nicht mehr auswendig, wann die Heizung erneuert wurde. Der Interessent fragt trotzdem.

Tobias Troendle · Immobilienmakler in Stuttgart, Gründer von Portalist
3 Min. Lesezeit

Es gibt einen Moment, den jeder Makler kennt: Ein Interessent fragt bei der Besichtigung nach dem Baujahr der Heizung, und man weiß es nicht mehr genau. Man sagt „ich glaube um 2010" und schaut später nach.

Das ist kein Beinbruch. Aber es passiert dreimal pro Besichtigung, und in Summe macht es den Unterschied zwischen einem Makler, der das Objekt kennt, und einem, der es verwaltet.

Warum das Wissen verloren geht

Nicht wegen schlechtem Gedächtnis. Sondern weil die Information verstreut ist: Das Baujahr der Heizung steht in einer Mail vom Eigentümer aus dem Mai. Die Hausgeldhöhe in einem PDF. Die Info, dass die Nachbarn oben renovieren, war eine Nebenbemerkung am Telefon.

Bei einem Objekt behält man das. Bei acht parallel laufenden nicht.

Was in ein Briefing gehört

Fünf Blöcke, die für neunzig Prozent aller Fragen reichen:

1. Die harten Fakten. Baujahr, Wohnfläche, Grundstück, Zimmer, Heizungsart und -alter, letzte Sanierungen mit Jahreszahl, Energiekennwert.

2. Die Kosten. Hausgeld mit Aufschlüsselung, Instandhaltungsrücklage, anstehende Sonderumlagen, Grundsteuer.

3. Die Historie. Seit wann am Markt, wie viele Anfragen, wie viele Besichtigungen, gab es Preisanpassungen.

4. Die bekannten Einwände. Was wurde bei früheren Besichtigungen kritisiert und wie hast du geantwortet? Das ist der wertvollste Teil – und der, der nirgends steht.

5. Wer kommt. Namen, was bei der Anfrage gesagt wurde, was du schon weißt.

Warum Punkt 4 der wichtigste ist

Wenn bei drei Besichtigungen dreimal die Hellhörigkeit angesprochen wurde, dann wird sie auch beim vierten Mal angesprochen. Wer darauf vorbereitet ist, antwortet souverän statt überrascht.

Und wichtiger: Diese Häufung ist die Information, die der Eigentümer braucht. Drei gleiche Einwände sind kein Zufall, sondern ein Befund – entweder fürs Exposé oder für den Preis. Genau deshalb gehört dieser Punkt auch in den Eigentümer-Wochenbericht.

Wann du dich briefst

Auf der Fahrt zum Termin oder in den zwei Minuten davor im Auto. Nicht abends vorher – bis zum nächsten Nachmittag ist es wieder weg.

Das setzt voraus, dass die Informationen abrufbar sind, ohne dass du am Schreibtisch sitzt. Ein Ordner auf dem Bürorechner nützt im Auto nichts. Eine Mail, die du erst suchen musst, auch nicht.

Wie du das praktisch löst

Die einfache Variante: Eine Seite pro Objekt, als Notiz auf dem Handy. Fünf Blöcke, nach jeder Besichtigung ergänzt. Kostet beim Anlegen zwanzig Minuten und muss gepflegt werden.

Die bequemere Variante: Eine Software, die das Objektwissen aus den vorhandenen Mails und Notizen zusammenstellt, sodass du es beim Termin abrufen kannst – im Idealfall vorgelesen, weil du im Auto sitzt.

Der Unterschied ist nicht die Information selbst, sondern ob sie gepflegt werden muss. Alles, was manuelle Pflege braucht, überlebt im Makleralltag selten ein Quartal – das ist dieselbe Erfahrung wie in Büroorganisation für Makler.

Der Nebeneffekt, den man unterschätzt

Ein Makler, der bei der Besichtigung konkrete Zahlen parat hat – „Die Heizung ist von 2016, die Wartungsprotokolle liegen im Exposé, das Hausgeld liegt bei 340 Euro, davon 95 Euro Rücklage" – wirkt anders als einer, der nachsehen muss.

Nicht nur beim Interessenten. Auch beim Eigentümer, wenn der zufällig dabei ist. Das ist der Punkt, an dem Verlängerungen von Alleinaufträgen entschieden werden.

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